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Britischer Think Tank: Grexit wäre die teure Variante

Nach Meinung des Londoner Instituts NIESR wiegen Schuldenschnitt und Rettungsprogramme für Griechenland nicht so schwer wie ein Austritt des Landes aus der Euro-Zone – ökonomischer Sachverstand ist gefragt.

Dramatische Wirtschaftsentwicklung in Griechenland befürchtet

Wie das National Institute of Ecnonomic und Social Research (NIESR) in einer Studie belegt, benötigt Griechenland einen Schuldenschnitt in Höhe von 55 Prozent – und damit weit mehr, als die Euro-Retter geplant haben. Angesichts des schrumpfenden BIP, in diesem Jahr werden -3 Prozent und im nächsten -2,3 Prozent erwartet, sei die Anhebung der Mehrwertsteuer ebenfalls als kontraproduktiv anzusehen, so NIESR. Erst für Mitte 2016 wird demnach das Ende der Rezession erwartet, zu diesem Zeitpunkt dürfte die griechische Wirtschaft im Vergleich zu 2007 um rund 30 Prozent eingebrochen sein und somit unter dem Stand zum Euro-Beitritt liegen.

Transferleistungen über einen längeren Zeitraum notwendig

Im Fokus der Kritik stand aber nicht nur die generelle Diskussion um einen Grexit, der alle Mitgliedsländer der Währungsunion deutlich mehr kosten würde als ein wirklich sinnvolles Rettungspaket. Es ging demzufolge auch um die starren Budgetvorgaben und Überschuss-Annahmen, die jeglicher Realität entbehren. NIESR kommt zu dem Schluss, dass innerhalb einer Währungsunion Transferleistungen ein geeignetes Mittel sein können, um wirtschaftliche Ungleichgewichte zu kompensieren. So würde ein Prozent des BIP der Euro-Zone, das über Jahre hinweg von allen Mitgliedsländern gemeinsam nach Griechenland abgeführt würde, eine erträgliche Belastung mit enormer Wirkung darstellen. Ähnliche Ausgleichszahlungen werden beispielsweise in Deutschland zwischen den Bundeländern realisiert, indem die wirtschaftliche starken Länder die schwächeren unterstützen. Nur im großen Massstab verweigern sich die Entscheidungsträger der ökonomischen Realität – mit teuren Folgen für alle.